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Aktuelles aus Marsberg

Städtepartnerschaft mit erneuter Urkundenunterzeichnung untermauert

Marsberg/Bredelar (ma). Vor 50 Jahren, als Marsberg und Lillers Partnerstädte wurden, hatte dies eine große Bedeutung. Nicht nur für die beiden Städte.

 Im Jahr 1963 legten Konrad Adenauer als Bundeskanzler in Deutschland und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle 1963 mit dem sogenannten Freundschaftsvertrag, dem Élysée-Vertrag, den Grundstein für zahlreiche Städtepartnerschaften. Dieser Vertrag sollte die Aussöhnung zwischen den Völkern Deutschlands und Frankreichs und den dauerhaften Frieden in Europa besiegeln. So fanden auch Marsberg und Lillers 1967 zueinander. Musik-, Sport- und andere Vereine, die Feuerwehr und die Polizei schlossen Freundschaft und nahmen an Veranstaltungen in der jeweils anderen Stadt teil. Eine weitere Säule ist der Schüleraustausch zwischen dem Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg und dem Lycée Mixte Anatole France in Lillers. Seit 1968 nehmen jährlich rund 25 Schüler daran teil. Das 50-jährige Jubiläum dieser „Ehe“ wurde am Pfingstwochenende in Marsberg ausgiebig gefeiert. Karl-Heinz Berger, Ehrenvorsitzender der Deutsch-Französischen Gesprächsrunde (DFG), Marie-Lena Schmidt von der Stadt und der stellvertretende Bürgermeister Bernd Dinkelmann haben in den letzten Monaten gemeinsam mit weiteren Vertretern der DFG viel Zeit und Engagement in die Vorbereitungen investiert. Mit zwei Bussen reisten die Franzosen aus Lillers an. Eine Wanderung, zwei Kunstausstellungen sowie ein Schachturnier gehörten ebenso zum Programm wie ein Grillabend am Samstag. Daran nahm auch der französische Generalkonsul Vincent Muller teil. Ursprünglich wollte er auch beim Festakt am Sonntag eine Rede halten, doch die Parlamentswahlen in Frankreich machten dies unmöglich. So vertrat ihn dort der Direktor des Deutsch-Französischen Kulturzentrums Essen, David Babin, und verlas seine Rede. Am Sonntag wurde morgens zunächst ein ökumenischer Gottesdienst mit Superintendent Alfred Hammer und Propst Meinolf Kemper in der Propsteikirche gefeiert. Eine Abordnung des Partnerschaftstreffens nahm am Festumzug des Bredelarer Schützenfestes teil. Höhepunkt des Wochenendes war der Festakt im Kloster Bredelar. „Nach 50 Jahren möchten wir im Rahmen der heutigen Veranstaltung die Partnerschaft bestätigen und für die Zukunft festigen“, betonte Marsbergs Bürgermeister Klaus Hülsenbeck. Wie in einer Ehe sei auch in die Partnerschaft der Alltag eingekehrt, aus der anfänglichen Euphorie sei mit den Jahren Verlässlichkeit und Vertrauen geworden. Er wünsche sich, dass die Partnerschaft zwischen Marsberg und Lillers die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich weiter bereichern und damit einen kleinen Teil zum Frieden in Europa beitrage. Auch der Bürgermeister von Lillers, Pascal Barois, rief die Gäste auf: „Lassen Sie uns gemeinsam träumen von Frieden, Wohlstand und Freundschaft.“ Auch der Generalkonsul bestätigte in seiner Rede, verlesen von David Babin, diesen Weg: „Frankreich und Deutschland haben heute die Pflicht, gemeinsam zu handeln und Stärke zu zeigen.“ Die EU sei immer eine Baustelle gewesen und sei es heute angesichts des außer Kraft gesetzten Schengener Abkommens, mancher Krise des Euros, einiger Wahlen und des Austritts von Großbritannien umso mehr. Auch die weiteren Redner, die Vorsitzenden der Partnerschaftskomitees, Michael Baderin Marsberg und Serge Vahé in Lillers, waren sich einig: Solche Städtepartnerschaften haben bis heute ihre Berechtigung. Zwar kann man persönliche Kontakte in andere europäische Länder heute ganz einfach auf anderen Wegen pflegen. Doch für Europa als Ganzes sei es wichtig, das sich die Menschen auch im Rahmen von Partnerschaften austauschen. Mit der Unterzeichnung von neuen Partnerschaftsurkunden bestätigten die beiden Bürgermeister anschließend ihr Vorhaben, die Partnerschaft zwischen beiden Städten aufrechtzuerhalten und weiter mit Leben zu füllen. Viele Sponsoren haben die Jubiläumsfeierlichkeiten unterstützt, so konnte zum Beispiel jeder Festaktgast sein Wasserglas mit dem Logo des Jubiläums, das Antonia Fester kreiert hat, anschließend mit nach Hause nehmen. Die Gläser hat Ritzenhoff hergestellt und gesponsert.

Personen der ersten Stunde geehrt

Anlässlich des Festaktes ehrten Karl-Heinz Berger und Bürgermeister Klaus Hülsenbeck einige Menschen der ersten Stunde, die mit ihrem persönlichen Engagement zum Gelingen der Städtepartnerschaft beigetragen haben. Alfons Bieker war damals Löschzugführer in Marsberg. Unter seiner Führung fuhren Marsberger Abordnungen zu den Feuerwehrveranstaltungen in Lillers und es kamen entsprechende Abordnungen aus Frankreich nach Marsberg. Erika Ising ist die Ehefrau von Willi Ising, der damals als Bürgermeister die Partnerschaft besiegelte. Sie zeigte großes Engagement bei der Unterbringung und Bewirtung der Franzosen in den ersten Jahren. Ebenso tat dies Marianne Schmitz in Westheim. Ihr Mann war in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen und konnte die Sprache daher ein wenig. Es kam vor, dass die Familie Schmitz einen ganzen Bus von Franzosen aus Lillers in Familien in Westheim unterbrachte. Alfons Scholle hat als Bürgermeister die Freundschaft zu Lillers ebenfalls gelebt und hat noch heute Kontakt zu Freunden dort. Auch Alfred Tack, damals im Rathaus für Kultur und Sport zuständig, ist ein wichtiger Mann der ersten Stunde. Er regelte den gesamten Schriftverkehr mit der Partnerstadt. Erich Tack hat mit dem Musikverein Marsberg ebenfalls viel Leben in die Städtepartnerschaft gebracht. Als Vorsitzender des TV Marsberg und Lehrer engagierte sich Hartmut Vietor, er hat heute noch persönlichen Kontakt nach Lillers. Irmgard Gerlach war als Ehefrau des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters Karl-Josef Gerlach sehr aktiv. Wenn es nötig war, brachte die Familie Gerlach schon einmal eine ganze Schulklasse bei sich unter und verköstigte sie. Alle genannten Personen wurden mit einer Urkunde für ihren besonderen Einsatz geehrt.