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Aktuelles aus Marsberg

Natura 2017 – Ist das Kunst oder kann das weg?

Bredelar (bre). „Ist das Kunst oder kann das weg“, fragt ein Eröffnungsgast, eher unernst. Nein, das kann nicht weg. Im Gegenteil.

Die Skulpturenausstellung im Kloster Bredelar hat sich mittlerweile etabliert, wird von manchen sogar sehnsüchtig erwartet. Tatsächlich fordert die dort ausgestellte Kunst aber einiges von ihren Betrachtern. Zur Eröffnung erscheint ein Mann mit Trompete. Lautes Kreischen, Vogelgezwitscher, Kirchenglocken, Trommeln. Ein eigentümlicher Wagen wird von zwei mindestens so merkwürdigen Gestalten hereingeschoben. Nach und nach vollzieht der Wagen eine Transformation. Den Besuchern eröffnet sich eine völlig neue Szenerie, die sie mit allen Sinnen erfahren. Laute Geräusche, grelle Farben, seltsame Figuren und Symbole sowie ständiger Wandel: das ist eine Herausforderung, das ist spannend, das ist die Performance „Transformagiecar“. In den alten Mauern des Klosters Bredelar wird seit dem vergangenen Wochenende Gegenwartskunst präsentiert und das mittlerweile zum dritten Mal. „Seit 2014 ist das Kloster Bredelar das Zentrum für zeitgenössische, skulpturale Kunst“, berichtete Anne Degenhardt, Vorsitzende des Fördervereins Kloster Bredelar. Auf dem Erreichten will man sich jedoch nicht ausruhen. Schon im nächsten Jahr sollen Teile der Skulpturenausstellung in der geplanten, neuen Ausstellungshalle zu sehen sein. Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Natura 2017“ ist so spannend und inspirierend wie ihre Vorgänger. Davon überzeugten sich am Samstag bei der Eröffnung zahlreiche Gäste. Die niederländischen Künstler Sjoerd Buisman, Tim Breukers und Arian de Vette zeigen im Rahmen der „Natura 2017“ zahlreiche Skulpturen, mittels derer sie auch ihr Interesse für das Kloster bezeugen. „Skulptur und Kloster: Das geht immer zusammen“, so Kurator Jeroen Damen. Genauso gut funktioniert die Verknüpfung mit dem Thema Natur, das nicht zuletzt durch den Ausstellungstitel in den Fokus gerückt wird und das in diesem Jahr vermehrt Besucher aus dem Marsberger Stadtgebiet und der nahen Umgebung anlocken soll. Der namenhafte Künstler Buisman, den Damen glücklicherweise gewinnen konnte, befasst sich in seiner Arbeit mit der Natur und arbeitet nach ihr, zum Beispiel studierte er intensiv die komplexen, gesetzmäßigen Strukturen von Bäumen und Pflanzen. Die Nachwuchstalente Arian de Vette und Tim Breukers greifen jeweils einen Aspekt des Klosters innerhalb ihrer Arbeiten auf. Parallelen zum Lehrmeister Buisman sind ebenfalls zu erkennen. Heiner Duppelfeld, Vorsitzender des Rotary Clubs Brilon—Marsberg, freute sich, dabei zu sein. Das Kloster sei immer schon ein Ort von kultureller Bedeutung gewesen. Anfänglich sei das Kloster von der mönchischen Kultur geprägt worden sein, die auch einige ausgestellte Werke beeinflusste. Im Anschluss an die Industriekultur, die Kloster und Gegenwartskunst prägte beziehungsweise inspirierte, ist das Kloster nun ein Ort der kulturellen Begegnung. Die heutige Funktion wird von Tim Breukers aufgenommen. „Orte, wie das Kloster Bredelar, sind Orte der Begegnung, des Austauschs und der Identitätsstiftung“, so Duppelfeld. Als weiche Standortfaktoren seien sie bedeutsam für die Stadt. Die attraktivitätssteigernde Wirkung sei nicht zu unterschätzen, würdigt Duppelfeld die Arbeit und das Engagement aller Beteiligten weiter. „Das Kloster bereitet stets Bauchweh, aber auch viel Freude. In jedem Fall ist es hier immer spannend“, meint Johannes Wüllner, stellvertretender Bürgermeister des Stadt Marsberg und selbsternannter Improvisationskünstler. Veranstaltungen, wie die „Natura 2017“, würden den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Wüllner nutzte sein Grußwort, um an die kürzlich verstorbene Luzia Stuhldreier zu erinnern, die durch ihr außerordentliches, ehrenamtliches Engagement die Erfolgsgeschichte des Kloster Bredelars aktiv mitschrieb. „Luzia Stuhldreier fehlt“, so der stellvertretende Bürgermeister. An der Veranstaltung hätte sie viel Freude gehabt, glaubt Wüllner und trifft auf große Zustimmung. Die Ausstellung im Kloster Bredelar kann noch bis zum 8. Oktober donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr besucht werden.