04.02.2010 Aufschlussreicher Talk zum Thema Gesundheitsversorgung in der Volksbank Marsberg


Marsberg. Es gibt ein großes Problem in Marsberg: Noch gibt es hier laut Hans-Heiner Decker von der Kassenärztlichen Vereinigung eine wirklich gute medizinische Versorgung. Aber: Die Allgemeinärzte sind im Durchschnitt 61,5 Jahre alt. 14 Allgemeinärzte werden in den kommenden fünf Jahren ausscheiden. Generell ist es schwierig, Nachfolger für Einzelpraxen zu finden, denn es gibt immer weniger Medizinstudenten. Dazu kommt, dass 70 Prozent von ihnen Frauen sind, die nicht annähernd die Lebensarbeitszeit erbringen werden, die früher und auch heute noch von den männlichen Allgemeinmedizinern erbracht wird. Sie möchten Familie und Beruf vereinbaren. Da Marsberg abrechnungstechnisch zu Westfalen-Lippe gehört und die Ärzte hier im Bundesvergleich pro Patient am wenigsten Honorar bekommen, wird es hier voraussichtlich noch schwieriger sein, Nachfolger für die Praxen zu finden, als zum Beispiel in Bayern. Wie sehen also die Perspektiven aus? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Dieses Themas nahm sich Radio Sauerland-Chefredakteur Paul Senske mit dem Radio Sauerland-Talk im Foyer der Volksbank Marsberg am vergangenen Mittwoch an. Er sprach mit dem ärztlichen Direktor des St.-Marien-Hospitals Marsberg, Dr. Ulrich Pannewick, mit den Allgemeinärzten Dr. Jürgen Horst und Dr. Martin Rörig, mit Bürgermeister Hubertus Klenner und mit Eckart Ising, der für die Firma Eschbach, aber auch in Vertretung seines Vaters für den Hospizverein Marsberg gekommen war. Als weitere Gesprächspartner standen Paul Senske der leitende Oberarzt in den LWL-Kliniken Dr. Peter Janwlecke und der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Marsberg Dirk Lüddecke zur Verfügung. Sie alle waren sich einig, dass es eher Zufall ist, dass das Durchschnittsalter der Ärzte in Marsberg so hoch ist. Einen Vorteil hat das: Auch in anderen Städten des Hochsauerlandkreises wird es früher oder später schwierig werden, Nachfolger für die niedergelassenen Allgemeinärzte zu finden. Diesen anderen Städten hat Marsberg voraus, dass das Problem schon länger bekannt ist und intensiv daran gearbeitet wird. Medizinstudenten, die mit Marsberg in irgendeiner Weise verbunden sind, sind angesprochen worden und daran gearbeitet, wie das Krankenhaus, die Kliniken und die niedergelassenen Ärzte gemeinsam Programme entwickeln können, die Marsberg für den medizinischen Nachwuchs interessant machen. Konkrete Neuigkeiten überbrachte insbesondere Dr. Martin Rörig als Vorsitzender des Ärztevereins Marsberg. Er war einen Tag vorher auf einer Sitzung von über 100 Ärzten aus dem Hochsauerlandkreis gewesen. Dort ging es um die in Marsberg mit besonderer Skepsis beobachtete Neuordnung des ärztlichen Notdienstes. Geplant war eine zentrale Notdienstpraxis für die Region am Briloner Krankenhaus. Das würde bedeuten, dass sowohl die Patienten als auch die diensthabenden Marsberger Ärzte abends und am Wochenende bis nach Brilon fahren müssten. Da dies in Marsberg schon länger bekannt ist und insbesondere in der Bevölkerung die Befürchtung geäußert wurde, dass dies das St.-Marien-Hospital schwächen würde, haben die Marsberger Ärzte ein Alternativmodell herausgearbeitet. Überall wo sich ein Krankenhaus befindet, soll der ärztliche Notdienst durch die dort stationierten Assistenzärzte mit Unterstützung der niedergelassenen Ärzte stattfinden. Dieses Modell fand bei den Sitzungbesuchern breite Zustimmung, wurde ohne Gegenstimme angenommen. Allerdings besteht zurzeit noch das Problem, dass das Modell gegen geltende Landesgesetze verstößt, die zuerst geändert werden müssten. Dies wird voraussichtlich nicht einfach, aber Bürgermeister Hubertus Klenner sagte seine Unterstützung zu. Von einer weiteren konkreten Maßnahme informierte Bürgermeister Hubertus Klenner die Besucher der Talkrunde. Die Gesundheitsinitiative Marsberg will ein Gesundheitsportal einrichten. ........So sollen über Netzwerke die Möglichkeiten in Marsberg nach außen getragen werden. Diese beiden neuen Perspektiven zeigen, dass in Marsberg die Probleme nicht nur gesehen, sondern auch Lösungen für sie erarbeitet werden. Text/Foto: Mander