| 15.03.2010 | Dramatische Veränderungen in Marsbergs Schullandschaft |
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Marsberg. Viele Gespräche waren der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur, Jugend, Familie und Soziales vorausgegangen und es werden noch viele folgen müssen. Dass das Thema nicht nur die Politiker beschäftigt, zeigte sich eindrucksvoll an der hohen Zahl von Zuschauern, die den Weg in die Aula der Hauptschule an der Trift gefunden hatten. Weit mehr als 200 Eltern, Lehrer und andere Interessierte waren gekommen, um sich anzuhören, wie es mit den Schulen in Marsberg weitergehen wird. Schon vor einiger Zeit haben sich die Verantwortlichen zusammengesetzt, um sich die Geburtenzahlen und damit die zukünftigen Schülerzahlen in Marsberg anzusehen. Was sie sahen, übertraf die schlimmsten Erwartungen. Beginnen mit dem Schuljahr 2011/2012 im gesamten Stadtgebiet noch 227 Schüler mit der Schule, werden es 2015 voraussichtlich nur 143 Kinder sein. Im Vergleich zwischen 2007 und 2017 wird es in Marsberg voraussichtlich 26,5 Prozent weniger Kinder geben, das ist die niedrigste Zahl im HSK. Von 2721 wird die Zahl auf 2000 Schüler sinken. Diese Entwicklung ist nicht neu, wird sich aber immer weiter verschärfen. Einige Grundschulen sind schon geschlossen, als nächstes wird es auch eine weiterführende Schule treffen. Der Auftrag für ein trag- und zukunftsfähiges Schulkonzept kam vom Regierungspräsidium in Arnsberg. Auflösung der Franziskus-Hauptschule Das erste Ergebnis ist, dass der Ausschuss dem Rat die Empfehlung gab, die Franziskus-Hauptschule in Westheim zum Schuljahresende endgültig aufzulösen. Die Klassen werden in der Gemeinschaftshauptschule in Marsberg unterrichtet. Seit fünf Jahren schon waren die Schülerzahlen dort rückläufig, bereits für das laufende Schuljahr wurde in Westheim keine Jahrgangsklasse 5 mehr gebildet. In das dann leere Gebäude soll zum nächsten Schuljahr die Kerschensteiner-Schule, Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, einziehen. Seit dem Schuljahr 2008/2009 ist die Kerschensteiner-Schule in Marsberg in einer dreijährigen Erprobungsphase Teil eines Kompetenzzentrums für sonderpädagogische Förderung, zu dem auch die Roman-Herzog-Schule in Brilon gehört. Im Hauptgebäude der Hauptschule in Westheim ständen den Schülern Werkräume, Turnhalle und andere Fachräume zur Verfügung. Unter dem Aspekt der Integration im Primarbereich könnte mit der Grundschule in Westheim zusammen gearbeitet werden. Die Schüler müssten dann mit dem Bus nach Westheim fahren. Einen Beschluss über das Thema fasste der Ausschuss nicht, die Vorlage wurde ohne Empfehlung an den Rat abgegeben. Aufgabe von Grundschulstandorten Richtig hart treffen wird es die Grundschulstandorte im Stadtgebiet. Das Schulgesetz verpflichtet auch hier den Schulträger auf den Rückgang der Schülerzahlen mit schulorganisatorischen Maßnahmen zu reagieren. Dies gilt insbesondere in Zeiten extrem knapper Kassen. Und es soll allen, der Verwaltung aber auch den Eltern, Planungssicherheit verschaffen. Anhand der Zahlen haben sich die Verantwortlichen zunächst mit der Zukunft des Grundschulverbundes Meerhof-Essentho-Westheim befasst. Dort liegen für das kommende Schuljahr 38 Anmeldungen vor, davon zwölf für den Standort Meerhof, 12 für den Standort Essentho und 14 für den Standort Westheim. Damit sind im gesamten Verbund überhaupt nur noch zwei Züge möglich, denn für die Grundschulen gibt das Schulgesetz einen Klassenfrequenzrichtwert von 24 Schülern vor, bei einer Bandbreite von 18 bis 30 Schülern. In Absprache mit dem Kollegium und den Eltern sollen die Standorte in Meerhof und Essentho ganz aufgegeben werden, die Schüler sollen alle in Westheim im Gebäude der Hauptschule unterrichtet werden. Zwar werden die Schülerzahlen in den noch etwas stärkeren Jahrgängen von 2004 bis 2006 voraussichtlich nach oben, für die Einschulung 2011 sind 61 und für die Einschulung 2012 49 Schüler prognostiziert. Wichtig war aber insbesondere den Eltern, dass sie wissen, dass alle Schüler, insbesondere auch Geschwisterkinder, in einem Gebäude untergebracht sind. Und für die Einschulungen in den Jahren 2013 und 2014 wird es wohl nur noch 35 bzw. 38 Schulanfänger geben. Etwas ungehaglich fühlen sich viele Eltern aber bei dem Gedanken, dass auch die Kerschensteiner-Schule in Westheim einziehen soll. Sie sehen dort weder im Sekundar- noch im Primarbereich bessere Integrationsmöglichkeiten als am ursprünglichen Standort der Schule neben der Grundschule am Burghof. Veränderungen in der Kernstadt Auch bei den Grundschulen in Marsberg und Erlinghausen wird sich einiges ändern. Der Teilstandort Erlinghausen soll aufgegeben werden und die Gemeinschaftsgrundschule soll zum Schuljahresende aufgelöst werden, um als Nebenstelle der Katholischen Grundschule bis zum Schuljahresende 2011/2012 weitergeführt zu werden. Schaue man sich die Zahlen für die Zukunft an, werde in Zukunft ein Grundschulstandort ausreichen. Gibt es im nächsten Jahr noch 103 Schüler, die hier eingeschult werden könnten, so sind es im Jahr 2015 voraussichtlich nur noch insgesamt 72. Hier gab es am meisten Protest aus den Reihen der Zuschauer. Die Erlinghausener Eltern führten ins Feld, dass im nächsten und auch übernächsten Jahr voraussichtlich noch einmal ausreichend Kinder für jeweils eine Klasse im Ort vorhanden seien. Die Eltern der Diemeltal-Gemeinschaftsgrundschule kämpften Auch bezüglich der Grundschulen beschloss der Ausschuss einstimmig, das Thema ohne Empfehlung an den Rat der Stadt Marsberg abzugeben. Es gebe einfach noch zu viel Diskussionsbedarf, darüber waren sich die Ausschussmitglieder sicher. Bürgermeister Hubertus Klenner gab ausdrücklich zu bedenken, dass der Auftrag zur Schaffung eines tragfähigen, den gesetzlichen Vorgaben entsprechenden Konzeptes aus Arnsberg gekommen sei. Es sei sehr wichtig, dass jetzt ein Konzept entstehe. In Zeiten eines Nothaushaltes, auf den Marsberg zurzeit unweigerlich zusteuere, könnte es passieren, dass Entscheidungen über Schulstandorte dann an ganz anderer Stelle getroffen würden. |