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Aktuelles aus Marsberg

Für die Grundschüler ist der Tod kein Tabu mehr

Marsberg (ma). Wenn ein Mensch stirbt, ist die Endgültigkeit manchmal schwer zu ertragen. Viele Erwachsene kommen lange nicht darüber hinweg.

Kinder möchten sie deshalb vor diesem Gefühl schützen und reden gar nicht mit ihnen darüber. Oft werden Kinder gar nicht mehr zu Beerdigungen mitgenommen. Dabei gehört der Tod zum Leben dazu. In vielen anderen Kulturen wird mit dem Thema ganz anders umgegangen. Um Grundschulkindern den Umgang mit dem Thema Tod zu erleichtern und sie damit nicht allein zu lassen, hat die Bundes-Hospiz-Akademie das Projekt „Hospiz macht Schule“ ins Leben gerufen. Sieben Ehrenamtliche und Mitarbeiter des Hospizvereins Marsberg sind in einem Befähigungskurs intensiv vorbereitet worden und können nun entsprechende Projektwochen mit Dritt- und Viertklässlern durchführen. In den letzten zwei Wochen war es in der Grundschule am Burghof so weit, die beiden anderen Marsberger Grundschulen werden folgen. Am Anfang stand ein Elternabend. Der eine oder andere äußerte Skepsis, ob es für das Thema in der dritten und vierten Klasse nicht vielleicht zu früh ist. Das finden die Mitarbeiter vom Hospizverein aber gerade nicht, denn in dem Alter hat man meistens schon erste Erfahrung mit Tod und Verlust gemacht. Sei es, dass Großeltern gestorben sind, oder aber ein geliebtes Haustier. Jeder Tag der Projektwoche bekam ein Thema. „Werden und Vergehen“ war das erste, „Krankheit und Leid“ das zweite, „Sterben und Tod“ das dritte, „Traurigsein“ das vierte und „Trösten“ das fünfte. Jeden Morgens wurde eine Kiste geöffnet, in der sich Dinge befanden, die zum Tagesthema gehörten. In Kleingruppen haben die Schüler jeden Tag ihre Gedanken aufgemalt oder aufgeschrieben. Pantomime zu Krankheiten, Fantasiereisen und Vorstellungen von dem, was wohl nach dem Tod kommt, waren weitere Inhalte. In diesem geschützten Rahmen konnten sich die Kinder trauen, über das zu sprechen, was sonst vielleicht schwer fällt. Überall im Klassenraum haben sie die Plakate mit den Ergebnissen aufgehängt, um sie während der Woche immer wieder angucken zu können. Ein Arzt kam zu Besuch und es wurden die Aufgaben eines Bestatters zusammengetragen. Zur Unterstützung haben sie Filme geschaut, in denen Menschen von ihrer schweren Krankheit erzählten. Formuliert wurden aber auch Fragen an die Eltern, die die Schüler ihnen nachmittags stellen wollten. Am Ende der Woche wurden noch einmal die Eltern zu einem Abschlussfest eingeladen, damit die Kinder ihnen erzählen konnten, was in der Woche so alles geschehen ist. „Wir sind begeistert, wie gut die Kinder zuhören, wie still sie sitzen, so ist es im normalen Unterricht selten“, schildert der Vorsitzende des Hospizvereins Marsberg Jochem Dahle seine Eindrücke dieser ersten Projektwoche. Das Konzept geht auf, die Schüler zeigten großes Interesse. Das freut auch Jörg Seemer, Regionalleiter der Sparkasse Paderborn-Detmold in Marsberg. Damit der Hospizverein Marsberg das Material anschaffen konnte, mit dem nun regelmäßig in den Projektwochen gearbeitet wird, unterstützte er das Projekt mit einer Spende in Höhe von 2.000 Euro.