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Aktuelles aus Marsberg

Skulpturen auf Reisen

Bredelar. Ein voll beladener Lastwagen und ein gewichtiger Traktor zogen am Mittwoch vor dem Kloster Bredelar die Blicke der Passanten auf sich.

Sind erleichtert, dass der Transport reibungslos verlief und die Skulpturen heil aus den Niederlanden im Kloster Bredelar angekommen sind: Dr. Jeroen Damen, Kurator Skulptur Bredelar, und Bildhauer Herbert Nouwens (rechts).

Der Grund: Die ersten riesigen Kunstwerke für die Ausstellung Skulptur Bredelar wurden angeliefert. Transportsicher verpackt, schwebten die ersten Teile einer Skulptur des niederländischen Künstlers Herbert Nouwens ein – Stück für Stück am Haken des großen Traktors auf den Parkplatz vor dem Kloster. In den Niederlanden gestartet, war der Transport nach vielen Staus am frühen Abend in Bredelar eingetroffen. Stück für Stück wurden die Kunstwerke fachmännisch abgeladen und in den Innenhof des Klosters gebracht. Am Donnerstagmorgen erfolgte die Beförderung der riesigen Skulpturen in den neuen KUNST RAUM SAUERLAND. Hierbei war äußerste Präzision gefordert. „Die Werke müssen mit einem Stapler hochgehoben, über eine Distanz von vier Meter geschoben und vorsichtig durch die Eingangstür balanciert werden“, erklärt Kurator Dr. Jeroen Damen. Und auch das Gewicht der Skulpturen kann sich messen lassen: Auf die kleinste Skulptur kommen 7.800 Kilogramm pro Kubikmeter. Koordiniert wird der Zusammenbau in der gläsernen Ausstellungshalle von Herbert Nouwens und Jeroen Damen. Unterstützung vor Ort leisten die Mitgliedern des Rotary Clubs Brilon-Marsberg, Peter Plemper und Eckhard Lohmann. Lohmann zeichnet sich mit seinem Architekturbüro gleichzeitig für den Bau des KUNST RAUM SAUERLANDS verantwortlich. „Da die Arbeiten in der Ausstellungshalle noch nicht abgeschlossen sind, ist es eine kleine Herausforderung, die großen Skulpturen zu platzieren und trotzdem unseren Handwerksbetrieben freie Bahn zu ermöglichen“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Dass dies reibungslos klappt, davon sind hier in Bredelar alle überzeugt. Verbindet sie doch eine langjährige deutsch-niederländische Freundschaft, bei der schon so manches große Ding gestemmt wurde. In diesem Jahr eben Eisen. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern werden ab dem 2. September an jedem Wochenende die Skulpturen von Herbert Nouwens zu sehen sein. In seinen Werken führt er die Besucher durch die vielfältigsten Facetten des Erdrohstoffes: Von der kompakten, schweren und klobigen Art, wie er im Handwerksbereich vorkommt, bis hin zu einer fast schwerelosen und leichten Form, wie er nur künstlerisch verformt werden kann. „Aus Handwerk wird Poesie“, erklärt Jeroen Damen und vergleicht die Kunst von Herbert Nouwens mit den berühmten Cellosuiten des Komponisten Johann Sebastian Bach, bei dem Bachs kompaktes musikalisches Denken nach einem beweglichen Bassinstrument verlangte. Von einer ganz anderen Seite nähert sich Elejan van der Velde dem Thema Eisen. Der junge niederländische Künstler erschafft während der Ausstellung aus einem vier Meter hohen Berg feinster Metallsplitter mit Hilfe von Wasser ein stabiles Kunstwerk. „Die Installation verdeutlicht den Prozess von Eisen, wenn er mit verschiedensten Materialien in Berührung kommt. So erreicht man Farb- und Formveränderungen. Je nach Dauer und Intensität entwickelt sich aus einer weichen Figur eine feste Hülle mit weichem Kern bis hin zu einer kompakten Skulptur“, erklärt van der Velde anhand von Tischmodellen. „Meine Kunstwerke sind so ausgerichtet, dass etwas Ursprüngliches verschwindet und gleichzeitig etwas Neues entsteht“, so van der Velde weiter. Wie mit Hilfe neuer Medien Skulpturen entstehen, damit beschäftigen sich die Studenten der Kunsthochschule Kassel bei der diesjährigen Ausstellung und bieten damit den Besuchern die Chance, sich interaktiv der Bildhauerkunst zu nähern. „Gemeinsam werden unsere vier Künstler auch in diesem Jahr während der vierten Auflage von Skulptur Bredelar einen wichtigen Beitrag zeitgenössischer Bildhauerkunst im historischen Klosterambiente liefern“, ist Jeroen Damen überzeugt. Bereits jetzt verheißen die ersten Werke Spannendes.