Erste Bilanz der Feuerwehr zum Waldbrand in Helminghausen
Helminghausen. Mehrere Tage, an die 2.000 Einsatzkräfte: Für die Stadt Marsberg war es der größte Feuerwehreinsatz der Geschichte. Mit dem Ende der Löschmaßnahmen werden die Ausmaße des Einsatzes immer deutlicher, Gelegenheit für eine erste Bilanz. Besonders wichtig: Es entstand kein Schaden an Personen und Wohngebäuden. 35 Hektar Wiesen- und Waldfläche waren betroffen.
Der Einsatz in Helminghausen begann mit dem Alarmstichwort „Flächenbrand mit Ausbreitungsgefahr; brennt Feld“. Vor Ort waren die Einsatzkräfte mit einem sich sehr schnell ausbreitenden Flächenbrand konfrontiert, die Rauchentwicklung war weithin sichtbar.
Während nahegelegene Wohngebäude schnell geschützt werden konnten, breitete sich das Feuer rasant in ein Waldstück aus, darüber dann in den so genannten Remstoß, einen Pass zwischen Helminghausen und Messinghausen. Starker Wind aus immer wieder wechselnden Richtungen machte das Ausbreitungsverhalten nicht kontrollierbar. Die extrem hohen Temperaturen von weit über 30°C belasteten die Einsatzkräfte zudem enorm – bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit arbeiteten die Frauen und Männer vor Ort.
Diese extrem dynamische Lage erforderte einen massiven Personalansatz: So wurde Vollalarm für die gesamte Feuerwehr der Stadt Marsberg ausgelöst. Auch die vorgeplanten überörtlichen Löschzüge der Städte und Gemeinden des Hochsauerlandkreises wurden hinzugezogen. Einsatzkräfte aus der Gemeinde Diemelsee und der Stadt Bad Arolsen waren ebenfalls vor Ort. Trotzdem war klar, dass die eigenen Einsatzkräfte aus Stadt und Kreis bei weitem nicht ausreichten und der Einsatz mehrere Tage andauern würde.
Mehrere Einsatzabschnitte wurden gebildet, um die Brandbekämpfung, Wasserversorgung, Nachschub und Versorgung der Einsatzkräfte zu organisieren, in Bredelar wurde ein Bereitstellungsraum eingerichtet. Neben der Feuerwehr wurden auch Einheiten des THW, des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes alarmiert. Die Brandbekämpfung fokussierte sich auf das betroffene Waldstück nördlich von Helminghausen und den Remstoß zwischen Helminghausen und Messinghausen. Riegelstellungen zu Wohngebieten und anderen Gebäuden wurden aufgebaut, so dass keine Häuser zu Schaden kamen.
Die Wasserversorgung erfolgte in den ersten Stunden über Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen der Feuerwehren aus dem gesamten HSK und dem Kreis Paderborn sowie aus Warburg und aus Willingen. Örtliche Landwirte unterstützten mit zahlreichen Güllefässern und waren ebenfalls in den Pendelverkehr eingebunden. Bis zur Abenddämmerung unterstützte ein Löschhubschrauber die Brandbekämpfung aus der Luft. Das Löschwasser wurde aus dem Diemelsee entnommen. Dies wurde gesichert und organisiert von der DLRG und Feuerwehren aus Bad Arolsen sowie Bad Wünnenberg.
Für die Bevölkerung wurden Warnmeldungen herausgegeben. Bürgermeister Matthias Koch, dessen allgemeiner Vertreter Klaus Rosenkranz, das Ordnungsamt, Mitarbeiter der Stadtwerke sowie des Betriebshofes waren vor Ort, um den Einsatzablauf von Seiten der Stadt zu unterstützen.
Weil gleichzeitig auch in Sundern-Stemel ein großer Waldbrandeinsatz lief, trat die Einsatzleitung des Hochsauerlandkreises zusammen, über die im Verlauf des Einsatzes dann die Nachforderungen koordiniert wurden.
Um den großen Bedarf an Einsatzkräften und Material stellen zu können, wurde daher auf vorgeplante Landeskonzepte zurückgegriffen, die dann nach und nach in den Einsatz gebracht wurden. Dies betraf einmal die so genannten Wasserförderzüge, deren spezielle Technik es erlaubt, große Mengen Löschwasser über mehrere Kilometer Wegstrecke zu fördern. Diese wurden vom Land NRW beschafft und landesweit verteilt, ein Großteil dieser war aber bereits bei den Einsätzen in Sundern, im Kreis Düren, in der Eifel und am Möhnesee gebunden. Erst in den späten Abendstunden konnte mit drei solcher HFS-Systeme aus Düsseldorf, Krefeld und Emmerich am Rhein eine Wasserversorgung aus dem Diemelsee aufgebaut werden.
Neben den Wasserförderzügen wurden zudem die so genannten Bezirksbereitschaften der Feuerwehr für die Einsatzmaßnahmen angefordert. Jede Bezirksregierung stellt dazu aus ihren Kreisen und kreisfreien Städten mehrere solcher Bezirksbereitschaften zusammen. Jede einzelne solche Bezirksbereitschaft umfasst 140 Einsatzkräfte, zusammengefasst in fünf Löschzüge und eine zugehörige Führungseinheit. Da der Brand in Marsberg nur einer von mehreren Waldbränden in NRW war, erstreckten sich die Anforderungswege bis ins Innenministerium.
Daher rückten Einsatzkräfte aus ganz NRW nach Marsberg an, um den enormen Personalbedarf decken zu können, schließlich mussten die Einsatzkräfte nach mehreren Stunden Arbeit abgelöst und ausgetauscht werden. Einsatzkräfte aus Dortmund, Bochum, Düsseldorf, den Kreisen Münster, Paderborn, Höxter, Warendorf und dem Ennepe-Ruhr-Kreis waren vor Ort, aufgrund der hohen Anzahl an Einsatzkräften ist diese Auflistung möglicherweise nciht vollständig. Am Samstag waren mehrere Bereitschaften aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und dem Schwalm-Eder-Kreis aus Hessen im Einsatz.
Um die insgesamt etwa 2.000 Einsatzkräfte verpflegen zu können, wurde in der Helminghauser Schützenhalle eine Versorgungsstelle eingerichtet. Hierzu musste ein Ferienlager, das eigentlich in der Schützenhalle stattfinden sollte, kurzerhand in die Obermarsberger Schützenhalle verlegt werden.
Das Feuer war bereits ab Freitag, dem 14. August, um 10 Uhr unter Kontrolle. Die Rückmeldung „Feuer aus“ ging Sonntagabend gegen 20.15 Uhr bei der Leitstelle ein. Offiziell beendet war der Einsatz am 17. August um 18 Uhr. Zuvor hatte die Löschgruppe Padberg letzte Glutnester abgelöscht.
Wehrleiter Cyrill Stute und Bürgermeister Matthias Koch bedanken sich ausdrücklich bei allen eingesetzten Kräften für ihr Engagement. In den Dank beziehen sie auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Helminghausen mit ein, die an vielen Stellen durch ihre Mithilfe zum Gelingen des Einsatzes beigetragen haben.
Bild zur Meldung: Drohnenbild des Waldbrandgebietes.