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Marsberger Strecke verlangte den Radsportlern einiges ab

26. 06. 2022

Marsberg (ma). Schon an den Tagen davor kündigte sich an, dass etwas Besonderes in Marsberg anstand: die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren im Radsport. Immer wieder begegneten einem turboschnelle Radfahrer auf der späteren Rennstrecke zum Beispiel am Stadtberg oder auf dem Steppel, die dort trainierten oder die Strecke zumindest ausprobierten. Ab Donnerstag vergangener Woche wurde dann an der Grundschule am Burghof, bei Rossmann und auf dem Horhusen-Parkplatz das Fahrerlager nach und nach immer größer. Am Freitagvormittag konnte man dort gut beobachten, wie sich die Fahrerinnen und Fahrer der verschiedenen Teams auf den „Rollen“, also auf der Stelle, warm machten, um auf den Punkt beim Rennen alles geben zu können. Ab mittags um 13 Uhr war es schließlich so weit. Zunächst wurden einige U19-Nachwuchsfahrerinnen und abschließend die U23-Damen am Burghof den Bülberg hoch auf die Strecke geschickt. Der Wettbewerb in der weiblichen U23-Klasse wurde in Marsberg zum ersten Mal überhaupt ausgetragen. Den ganz offiziellen Startschuss gab jeweils Bürgermeister Thomas Schröder ab, während seine zweite Stellvertreterin Sandra Pohlmeyer die Rennradfahrerinnen als Helferin direkt am Start an der Rampe unterstützte. Nach den U23-Fahrerinnen folgten die Damen, bevor die männlichen U23-Fahrer und schließlich die Herren auf den 27,5 Kilometer langen Kurs über Obermarsberg, Giershagen, Leitmar, Canstein, Udorf, Kohlgrund und Erlinghausen zurück nach Marsberg gingen. Das Ziel befand sich nach der Fahrt über die Hauptstraße auf dem Kirchplatz. In allen Kategorien gewannen Fahrerinnen und Fahrer, die die Organisatoren „auf dem Schirm“ hatten, denn es war echte Sportprominenz in Marsberg zu Gast. Bei den Herren gewann der 25-jährige Lennard Kämna aus Fischerhude vom Team Bora-hansgrohe, der unter anderem schon bei den Junioren Weltmeister und Europameister in der U23 war sowie eine Etappe der Tour de France gewann. In Marsberg fuhr er die Strecke in 35:31,05 Minuten. Hinter ihm kamen Jannik Steimle aus Weilheim vom Team Quick Step - Alpha Vinyl, vor Kämnas Kölner Teamkollegen Nils Politt ins Ziel. Er gewann 2021 ebenfalls eine Etappe bei der Tour de France. Nur etwa zwei Minuten langsamer war der Gewinner bei der männlichen U23, der Berliner Maurice Ballerstedt von Alpecin-Fenix. Er benötigte 37:19,32 Minuten und war damit 14 Sekunden schneller als Tobias Buck-Gramcko, gebürtiger Göttinger, vom rad-net ROSE. Die Bronzemedaille holte sich Hannes Wilksch aus Cottbus vom Team DSM.
Dramatisch wurde es beim Zieleinlauf der Damen. Die Vorjahressiegerin Lisa Brennauer, gebürtig aus Kempten im Allgäu, vom Team Ceratizit WNT Pr Cycling bog mit 20 Sekunden Vorsprung auf die Zweitplatzierte von der Hauptstraße zum Kirchplatz ab und stürzte in der letzten Kurve vor dem Ziel. Nachdem sie schnell wieder aufgestanden war, lief die 34-Jährige die letzten 50 Meter mit ihrem Rad ins Ziel und siegte dennoch mit 13 Sekunden Vorsprung vor Lisa Klein von Canyon SRAM und Hannah Ludwig vom Team Uno-X Pro Cycling Team Women, die 24 Sekunden zurücklag. Auch hier stand echte Prominenz auf dem Treppchen: Lisa Brennauer und Lisa Klein waren Olympiasiegerinnen in Tokio. Bei den U23-Damen gewann Ricarda Bauernfeind aus Ansbach in Bayern vom Team Canyon SRAM Racing. Ihre Fahrzeit von 42:04,12 Minuten hätte gereicht, um sich den Titel bei den Frauen zu holen. 19 Sekunden war sie schneller als Lisa Brennauer. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Linda Riedmann vom Team Jumbo-Visma und Judith Krahl vom RSV Finsterwalde.

Die Fahrer:innen aller Klassen waren sich einig, dass es eine schwere Strecke war. So sagte Kämna: „Es war ein schwerer Kurs mit ständigem Rhythmuswechsel“. Der U23-Gewinner Maurice Ballerstedt formulierte es so: „Es war ein Balanceakt. Man durfte zu Beginn nicht alles raushauen, musste sich die Kräfte einteilen. Bergfahrer und Zeitfahrspezialisten hatten beide eine Chance. Die letzten Kilometer musste man nur noch verwalten, ins Ziel rollen.“ Die Drittplatzierte der U23-Damen Hannah Ludwig: „Ich lebe ja nicht weit von hier, in Paderborn, und konnte den Kurs einige Male im Training inspizieren. Die Strecke war sehr hart, in der ersten Hälfte lief es super, in der zweiten nicht so.“ Die Damen-Siegerin Lisa Brennauer zu ihrem Sturz: „Ich war einfach zu schnell unterwegs. Auf der Straße war eine Rille, und es hat mich ausgehoben. Ich habe dann nur noch funktioniert, nicht groß nachgedacht, das Rad geschnappt und bin ins Ziel gelaufen. Es war ein brutal schweres Zeitfahren, vor allem an den beiden Anstiegen. Ich weiß nicht, ob ich schon mal so ein schweres Zeitfahren gefahren bin. Aber dieses ständige ‚On-Off‘ lag mir trotzdem gut: Vollgas, Drücken, Erholen“. 
Richtig Glück hatten Veranstalter und Fahrer mit dem Wetter. Noch am Tag davor waren die Prognosen düster, mit Starkregen und Gewitter. Doch das Wetter hielt bis auf ein paar Tropfen zwischendurch. Das Fazit von Bürgermeister Thomas Schröder: „Marsberg kann auch Radsport“. 
 

 

Bild zur Meldung: Bürgermeister Thomas Schröder beim Startschuss zum Damenrennen, Sandra Pohlmeyer unterstützt die Fahrerin auf der Rampe

 
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